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Aktuelles | Das
dies kein leichter Gang werden würde, war uns klar, als wir das Gelände
des
Isolators in Rousse/ Bulgarien betraten ....
Im September 09 sind meine deutsche Freundin Kirsten und ich, mit drei
erfahrenen und engagierten, bulgarischen Tierschützern zum Isolator
nach Rousse gefahren. Wir wollten uns endlich den Ort ansehen, von dem
wir schon soviel gehört hatten und vor allem auch Hunde rausholen
- für zwei hatten wir Unterbringungsmöglichkeiten.
Als wir das Gelände betraten, sahen ein Gebäude (Büro,
OP- Raum, Innenzwinger, ..), Arbeiter, die an einer neuen Zwingerreihe
bauten, eine jüngere Frau in grünen OP- Klamotten und mit eiskaltem
Blick. Unter hohen Bäumen waren zwei große Hunde angekettet,
ein Welpe sprang durchs Gras. Wir grüßten freundlich, man starrte
uns wortlos an.
Die Zwinger hinter dem Gebäude waren relativ neu, überdacht,
manche hatten "Hüttenähnliche" Unterschlupfmöglichkeiten,
manche nur Holzliegeplätze. Nichts auffälliges, da hatten wir
schon ärmlichere Zwingeranlagen gesehen.
Die Hunde jedoch darin waren (bis auf wenige) völlig verstört,
verängstigt, wirkten teilweise traumatisiert, wollten sich in eine
Ecke verkriechen, mit gesenktem Kopf, den Rücken zu uns gekehrt.
Andere lagen da, rührten sich nicht, schauten uns mit völlig
apathischem Blick an.
Im nächsten Zwinger hatten sich zwei Hunde unter den Holzliegeflächen
versteckt, die vielleicht gerade auf 25 cm hohen Pflöcken standen,
schutzsuchend, ängstlich, traurig resigniert. Die Hunde kamen die
ganze Zeit nicht aus ihrem zweifelhaften Unterschlupf. Ein paar Zwinger
weiter, das gleiche Bild.
Schöne Hunde waren dabei, grosse, kleine, alte (ganz)
junge, helle, dunkle, einfach alles - doch alle, so gut wie keine Chance
auf ein schönes Leben.
Eine Bekannte von uns, eine bulgarische Tierärztin hatte uns vorher
schon erzählt: Wenn ein normaler, fröhlicher Hund in den Isolator
kommt, wird er schon nach kürzester Zeit im Isolator ein physischen
Wrack sein.
Und genau so sah es auch aus!
Dann gingen wir in das Gebäude zu den Zwingern darin. Diese waren
alt, dunkel, kaum belüftet, feucht, die einzelnen Zellen geschlossen
durch Türen, wo die Hunde nichts sehen konnten, einfach nur grauenhafte
Verschläge! Hier befanden sich wohl u.a. auch die Hunde, die frisch
kastriert waren, Mütter mit Welpen haben wir gesehen,
wir sind
in die Zwinger zu ihnen rein gegangen, wurden freudig begrüßt,
manchmal von den Hunden umarmt, hoffnungsvolle Blicke, manche wollten
mit all ihrer Kraft mit raus in die Freiheit.
Manche der verängstigten Hunde blickten uns von ihrer
Ecke aus an. An unseren Stimmen spürten sie, dass wir es gut mit
ihnen meinen, kamen vertrauensvoll näher. Andere waren so ängstlich,
dass wir sie in Ruhe ließen um sie nicht noch mehr zu verstören.
Ein anderer Rüde lag in der Ecke, frisch operiert hielt er sein Hinterbeinchen
hoch. Er hatte Schmerzen, was wohl auch an der Op- weise lag, wie man
uns schon vorher aufgeklärt hatte. Auch darüber, dass das Nahtmaterial,
dass im Isolator verwendet wird, zu dick sei. Das kann schlimme Folgen,
wie eiternde Wunden, etc. haben. Doch der hübsche Rüde stand
trotzdem auf, freute sich über jede Aufmerksamkeit. Ein prachtvoller
Kerl. Was für eine Chance hätte er bei uns in Deutschland gehabt?!
Doch welchen dieser bedauernswerten Hunde holen wir raus?
Unsere bulgarischen Begleiter wollten einen Hund rausholen, von dem sie
wussten, dass er schon ein Jahr im Isolator saß, doch jetzt war
er plötzlich verschwunden. Angeblich freigelassen!???
Ein anderer, grosser dunkler Rüde, sollte bald getötet werden,
weil er jemanden gebissen hätte (doch es war wohl ein anderer Hund
gewesen, die Hundefänger fingen den Rüden nur, weil er so zutraulich
war). Wir gingen den Rüden anschauen. Freundlich war er, liebebedürftig,
freute sich über die Aufmerksamkeit, jedes freundliche Wort. Auch
scheu war er nich, auch er hatte den hoffnungslosen, resignierten Blickt.
Wir nannten ihn Jonny.
Gleich wenige Zwinger nebenan konnten wir beobachten wie ein Isolator-
Mitarbeiter einen Hund mit Pfeilen für die Kastration betäubte.
Wie ein "Häufchen Elend" saß er in seiner Zwinger-
ecke, der Pfeil neben ihm auf dem Boden.
Meist werden die Hunde 3x betäubt, hatte man uns erzählt: wenn
sie kastriert werden (klar), aber auch wenn sie nur in einen anderen Zwinger
verlegt werden. Die Arbeiter denken die Hunde sind böse, beissen
und haben Angst. Und noch einmal, wenn sie vielleicht (!?) irgendwann
einmal auf der Strasse freigelassen werden. Dafür bekommt der Isolator
und seine Mitarbeiter Geld, 30,- €/ Hund umgerechnet. In Bulgarien
darf nach dem neuen Tierschutzgesetz nicht mehr getötet werden. Aber
es gibt Ausnahmen, man muss sie nur begründen und wer forscht bei
verschwundenen Hunden schon nach?
Der zweite Hund den wir mit aus dem Isolator nehmen wollten,
sollte ein unauffälliger, schwarzer, total verzweifelter Rüde
aus einem der Innenzwinger sein. Panisch bettelte er, ihn mitzunehmen
und rannte immer gegen die Tür, wollte raus.
So gingen wir zum Büro um dem Willen die Tat folgen
zu lassen. Genehmigt werden, musste das vom Chef, der gleichzeitig der
Tierarzt des Isolators in Rousse ist.
Uns Deutschen wollte er "per seh" keinen Hund mitgeben. Doch
bei Bulgaren ist es anderes, ihnen muss man Hunde geben: Wir holten den
angeblichen agressiven Beisser (Johnny)
aus seinem Zwinger. Friedlich trottete er hinter uns her.
Mit dem 2. Hund, den wir ausgesucht hatten, klappte es jedoch
nicht. Er wäre frisch operiert. Wir sprachen höflich mit ihm
(er verstand englisch). Selten habe ich einen Menschen getroffen, der
uns das Blut derart in den Adern gefrieren ließ. Sein Hass uns gegenüber
war offensichtlich, auf Konfrontation zu gehen, keinen Sinn. Zu groß
die Angst, dass er seine Wut an den Hunden auslassen würde Und so
ein Mensch praktiziert als Tierarzt!?!?
Bevor die Situation eskalierte holte eine bulgarische Tierschützerin
einen (von mind. 6!!) Welpen aus dem nächstliegenden Zwinger, vor
lauter Angst, dass wir jetzt keinen zweiten Hund mehr rausbekommen würden.
Sunny
nannten wir ihn, er ist ca. 4 Monate jung. Wenigstens ER soll nun auf
der sonnigen Seite des Lebens aufwachsen. Die ersten Wochen einer der
beiden bulgarischen Tierschützerinnen (bis er ausreisebereit ist)
und nach Deutschland vermittelt werden kann.
Auch Jonny wartet in einem sicheren Tierheim auf seine Menschen und eine
gute Zukunft. Doch die anderen Hunde im Isolator werden wir nie vergessen.
Und hoffen, dass in den sicheren Tierheimen Bulgariens, Plätze durch
Vermittlungen `frei`werden, damit man weiter Hunde aus dieser "Hölle"
retten kann.
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